Pressetexte

Über Cinderella
Zu Essstörungen
Zum Umgang mit von Essstörungen Betroffenen

Über Cinderella

Anlass für die Vereinsgründung von Cinderella war, dass im Frühjahr 1984 an der Nervenklinik der Ludwig-Maximilians-Universität München eine Untersuchung über Ursache und Verbreitung von Ess- und Magersucht durchgeführt wurde, bei der sich zeigte, dass Ess- und Magersucht in der Bundesrepublik Deutschland in überraschendem Maße verbreitet waren.
Dieses und weitere Untersuchungsergebnisse veranlassten das Untersuchungteam, in München den Aktionskreis Ess- und Magersucht Cinderella e.V. zu gründen. Dieser ist seit langem Träger der Beratungsstelle in der Gaßnerstr. 17 in München Nymphenburg.
Die Aktivitäten der  Beratungsstelle sind folgende:

  • Telefonberatung
  • E-Mail-Beratung
  • bundesweites Adressverzeichnis
  • persönliche Beratung
  • Ernährungsberatung
  • Angehörige (Beratung, Gruppen)
  • Fortlaufende Gruppenangebote
  • Veranstaltungen
  • Prävention, Fortbildung

Cinderella wird überall dort tätig, wo andere Maßnahmen zur Bekämpfung der Essstörung (noch) nicht greifen: Als niedrigschwellige Erstberatung mit den Zielen Situationsabklärung,
Information, Therapiemotivation, zur Orientierung und Motivierung zwischen zwei Therapieschritten und zur Therapienachsorge.

Beratungsgespräche werden ein- oder bei Bedarf mehrmals durchgeführt. Ziel ist immer die Klärung der derzeitigen Situation und Weitervermittlung an eine geeignete ambulante oder stationäre Therapie oder eine andere geeignete Hilfemaßnahme beziehungsweise bei der Nachsorge Hilfen zum Übergang zu schaffen in ein „therapiefreies“ Leben.

Es ist unsere Ansicht, dass Angehörige und auch Freunde von Essstörungen Betroffener ebenfalls betroffen sind und unsere Hilfe und Unterstützung benötigen.

Die Prävention Jugendlicher wird an den Risikofaktoren orientiert durchgeführt, LehrerInnen, ErzieherInnen, SozialpädagogInnen werden darin ausgebildet und erhalten im Einzelfall Rat und Unterstützung.

In der Beratungsstelle tätig sind eine Psychologin und eine Sozialpädagogin sowie ein Team aus der Ernährungsberaterin und Gruppenleiterinnen als Honorarkräfte.

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Zu Esstörungen

Die Formen der Essstörungen mit ihren Krankheitsbildern Bulimia nervosa, Anorexia nervosa und binge eating  (Essanfälle ohne kompensierende Maßnahmen) sind bekannt. Sie sind mit schwerwiegenden sozialen, psychischen und körperlichen Folgeschäden verbunden.

Maßgebliche Ursachen von Essstörungen sind die Folgen des in der Gesellschaft so bedeutsam gewordenen Schlankheitsideals sowie individuelle Faktoren. Risikofaktoren für Essstörungen sind ein geringes Selbstwertgefühl und eine gestörte Körperwahrnehmung. Untersuchungen zeigen, dass ein offensichtlicher Zusammenhang zwischen westlichen Schönheitsidealen und dem Vorkommen von Essstörungen besteht.

Das Einstiegsalter in Essstörungen ist in den letzten Jahren im Durchschnitt erheblich abgesunken. Während in früheren Jahren Essstörungen fast ausschließlich bei Mädchen und jungen Frauen diagnostiziert wurden, kommen sie heute immer häufiger auch bei Frauen im Alter von über 30 und über 40 Jahren vor. Auch Männer sind von Essstörungen betroffen, aber immer noch in sehr viel geringerer Anzahl als Frauen und Mädchen (im Verhältnis 12 bzw.13:1). An Häufigkeit zugenommen haben in den vergangenen Jahren vor allem die so genannten nicht spezifizierten Essstörungen, bei denen die Diagnosekriterien der oben genannten Krankheitsbilder nicht erreicht werden, wo aber dennoch von einer Essstörung auszugehen ist und diese auch diagnostiziert wird.

Das in letzter Zeit häufig besprochene Problem Adipositas (Übergewicht) hängt in vielen Fällen auch mit einer Essstörung zusammen. Als ein besonders schwerwiegendes Problem wird das häufige Vorkommen von Übergewicht bei Kindern angesehen.

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Zum Umgang mit von Essstörungen Betroffenen

Wir werden häufig gefragt: Wie spreche ich jemanden am besten auf seine Essstörung hin an?
Die Antwort ist: Eine Person des Vertrauens sollte mit der/dem Betroffenen ein offenes Gespräch führen, in dem die bestehenden Befürchtungen, die daraus resultierende Sorge und soweit wie möglich die mit dem angesprochenen Verhalten verbundenen Risiken zur Sprache kommen sollten. Es ist wichtig, dass bei diesem Gespräch die gegenseitige Ebene von Liebe, Freundschaft, Wohlwollen beibehalten wird.
Drei mögliche Reaktionsweisen des/der Angesprochenen sind möglich:

1. die Person, bei der die Essstörung vermutet wird, ist froh, dass sie auf das anstehende Problem hin angesprochen wird und nimmt das Angebot, sie/ihn bei der Bewältigung der Essstörung zu unterstützen, gerne an.

Empfohlene Reaktion
In den meisten Fällen ist es kaum möglich oder auch direkt davon abzuraten, direkte Hilfen zur Verhaltensänderung zu geben. Vielmehr sollte man die / den Betroffenen darin unterstützen,  Informationen und Hilfen von professioneller Seite zu erhalten. Man  kann sie/ ihn zum Beispiel zu einer Beratungsstelle begleiten und/oder dabei zur Seite stehen, sich einen Platz in einer geeigneten Klinik oder einen Psychotherapeuten in ambulanter Praxis zu suchen, der eine Kompetenz zur Behandlung von Essstörungen hat.

2. Die Reaktion ist zwiespältig: Sie/er sieht ein, ein Problem zu haben, aber helfen lassen möchte man sich doch nicht. Und eigentlich ist es ja auch gar kein richtiges Problem, man bekommt das schon in den Griff.

Empfohlene Reaktion
Vorsicht: Keinen Druck ausüben! Die/der Betreffende weiß, dass sie/er eine Essstörung hat, kann diese sich aber selber und anderen gegenüber (noch) nicht eingestehen. Drängt man in diesem Fall dazu, Maßnahmen gegen die Essstörung zu ergreifen, läuft man Gefahr, dass die Betreffenden sich ganz zurückziehen, weil sie befürchten, die Essstörung könne ihnen weggenommen werden. Davor haben sie Angst, weil die Essstörung für sie ein Weg ist, eine Lösung, sich selber und den Bezug zur Außenwelt zu organisieren und ein Leben ohne diese Möglichkeit unvorstellbar geworden ist. Aus diesem Grund ist ein behutsames Vorgehen erforderlich, bei dem die Befürchtungen zwar offen ausgesprochen werden dürfen, aber kein Druck zur Veränderung und zum Handeln ausgeübt werden sollte, da sonst die Gefahr besteht, dass die Betreffenden sich abwenden. Zu empfehlen ist, nach einem ersten Gespräch abzuwarten, bis die Angesprochenen wieder auf einen zukommen. Sollte das nach einiger Zeit nicht der Fall sein, kann man sie nochmals daraufhin ansprechen.

3. Die/der Angesprochene „mauert“: Nein, sie/er habe kein Problem, man soll sie in Ruhe lassen, sie/er will davon nichts hören.

Empfohlene Reaktion
Wenn die/der Angesprochene nicht über die Essstörung reden will, hat man tatsächlich wenig Möglichkeiten, zu helfen. Wichtig ist dann für einen selber, nicht das Gefühl zu behalten, für die jeweilige Person Verantwortung übernehmen zu müssen. Zu empfehlen ist
auch in dem Fall, klar und offen die eigene Meinung auszusprechen. Erfolgt daraufhin ein Rückzug, besteht in Bezug auf die Essstörung keine Handlungsmöglichkeit mehr. Eines ist dann aber besonders wichtig: Die Beziehung aufrechtzuerhalten, zu zeigen, dass die eigene Zuneigung nicht von der Essstörung abhängig ist.  Damit kann man der betroffenen Person auf jeden Fall weiterhelfen, auch wenn ihr Zustand sich noch weiter verschlechtern sollte und man sonst nichts dagegen tun kann.

Das bisher Empfohlene gilt vor allem für Freunde der von Essstörungen Betroffenen. Nahen Familienangehörigen und den Partnern der Betroffenen ist zu empfehlen, eigene fachliche Hilfe für ihre Situation zu suchen, vor allem, da sie möglicherweise selber in die Störung involviert sind. Bei einer Beratung oder beim Gespräch mit einem Psychotherapeuten kann unter Umständen eine Möglichkeit zur Änderung des eigenen Verhaltens gefunden werden, die sich  dann auch auf die Betroffenen auswirken kann. Zudem kann eine Person, die in naher Beziehung zu einer/einem von Essstörungen Betroffenen steht, so weit mit leiden, dass sie für sich selber auch Hilfe benötigt.

Zum Umgang mit von Essstörungen Betroffenen


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