Bulimie-Programm
Untersuchung zur Wirksamkeit
des Salut-Programms bei Cinderella e.V.

Im Wintersemester 2014/2015 untersuchte Hanna Wendler für ihre Masterarbeit in Pädagogik unsere bisherige Arbeit bei Cinderella e.V. mit dem internetgestützten Selbsthilfeprogramm "Salut" für Menschen mit Bulimie (weitere Informationen hierzu unter www.cinderella-rat-bei-essstoerungen.de). Zu der Idee kam es, als Hanna Wendler im Rahmen ihres Studiums bei uns ein Praktikum in der Beratungsstelle absolvierte.

Zusammenfassend kann Folgendes zur Untersuchung festgehalten werden:
"Bulimia nervosa (BN), eine Form der Essstörungen, besteht im Wesentlichen aus Essanfällen gefolgt von kompensatorischen Maßnahmen wie selbstinduziertes Erbrechen, Missbrauch von Medikamenten oder restriktiven Mitteln. Zudem besteht eine ausgeprägte Selbstwertproblematik. Bei der Behandlung stellt die Psychotherapie die Therapie der ersten Wahl dar. Aber auch die Selbsthilfe, insbesondere die angeleitete Selbsthilfe, kann als Interventionsform genutzt werden. Zu den angeleiteten Selbsthilfeprogrammen für BN, die das Internet als Transportmedium nutzen, zählt das Salut BN-Programm. Die Wirksamkeit dieser Intervention wurde in einigen europäischen Studien bereits untersucht und bestätigt.

Salut BN wird in Deutschland seit 2007 von Cinderella e.V. angeboten. Um einen umfassenden Blick über die bisherige Durchführung bei Cinderella e.V. zu bekommen, wurde das Programm in Rahmen dieser Arbeit unter den Aspekten der Kennzeichen der Nutzerinnengruppe, der Wirksamkeit und der Bewertung aus Teilnehmerinnensicht analysiert und diskutiert. Es zeigte sich hierbei die überwiegende Nutzung des Programms von berufstätigen oder studierenden Mädchen und Frauen, die an einer mittleren Ausprägung der Essstörungssymptomatik litten. Salut BN führte zu einer signifikanten Reduktion der Essstörungssymptomatik sowie der Depressivität und der allgemeinen Symptombelastung. Allgemein wurde das Programm von den Nutzerinnen positiv bewertet und gut angenommen. Aus diesen Ergebnissen wurden anschließend "Implikationen" für die weitere Forschung und für die Praxis bei Cinderella e.V. erarbeitet." (S. 1)

Einige interessante Details und Ergebnisse aus der Untersuchung:

  • Untersucht wurden 79 TeilnehmerInnen.
    Letztendlich ausgewertet werden konnten 47 Salut-Teilnehmerinnen, die das Programm regulär beendet hatten und bei denen sowohl eine Datenerhebung zu Beginn von Salut und nach Beendigung von Salut vorlag.
  • Die Drop-Out-Rate lag bei knapp einem Viertel. Sie entspricht jedoch der erhöhten Drop-Out-Rate vorheriger Untersuchungen zum Salut-Programm. Da bei anderen Untersuchungen keine Aspekte für eine Abbrecherquote gefunden werden konnten, wie z.B. Komorbidität oder Stärke der Störung, erklärte man sich die Drop-Out-Quote so, dass bei Selbsthilfeprogrammen allgemein eine Tendenz für höhere Abbrecherquoten zu finden sei. (siehe S. 70)
  • Das Durchschnittsalter der untersuchten SalutteilnehmerInnen lag bei knapp 30 Jahren (die jüngste Teilnehmerin war 16 Jahre alt, die älteste 57) und damit etwas über dem der bisherigen Studien zum Salut-Programm. Die Ausprägung der Symptomatik lag im Vergleich zu früher signifikant höher als die aktuelle Symptomatik. Die Mehrheit der Nutzerinnen hatte bereits früher Erfahrungen mit psychotherapeutischen Interventionen gesammelt, nur bei einem kleineren Teil stellte Salut die erste Interventionsform dar. (S. 67/68)
  • Je schwerer die Nutzerinnen an Bulimie erkrankt waren, desto stärker fiel die Verbesserung der Essstörungssymptomatik aus! (S. 59)
  • Die Bewertung der Nützlichkeit der einzelnen Programm-Schritte fiel durchwegs positiv aus. Wobei der Schritt 3b, in dem es um das Erarbeiten von Vermeidungsstrategien als Alternative zu Essattacken geht, am besten abschnitt: 97,9% der Teilnehmerinnen bewerteten ihn als "eher hilfreich – sehr hilfreich". (S. 64)
  • 51,1% bewerteten das in Salut zu führende Esstagebuch als "sehr hilfreich"; 27,7% als "hilfreich"; 10,6% als "eher hilfreich"; 8,5% mit "teils/teils" und nur 2,1 % der Nutzerinnen bewerteten dieses Instrument als "eher nicht hilfreich. (S. 66)
  • Die wöchentlichen E-Mail-Kontakte mit dem Salut-Coach (bei Cinderella Dipl.Soz.Päd. Sabine Sperl) bewerteten 72,3% als sehr nützlich, 23,4% als hilfreich und 2,1% der Nutzerinnen als nur mittelmäßig hilfreich. (S. 66)
  • Auf allgemeiner Ebene beurteilten alle Teilnehmerinnen diese Form der Selbsthilfe als positiv: 85% beschrieben sie als sehr gute Interventionsform; 97,9% empfanden das Salut-Programm als einfach zu bedienen. (S. 66)
  • Lediglich eine Person gab an, Salut im Großen und Ganzen als "eher nicht nützlich" empfunden zu haben. Die restlichen 46 Personen stuften Salut als "eher hilfreich" bis "sehr hilfreich" ein. (S. 66)
  • 87,4% würden das Salut-Programm anderen weiterempfehlen; 12,8% würden es vielleicht empfehlen; niemand würde es nicht weiterempfehlen. (S. 67)

(Die Seitenangaben hinter den Daten geben die jeweilige Quellenseite in Hanna Wendlers Masterarbeit "Das internetgestützte Selbsthilfeprogramm Salut BN – Eine Untersuchung der Intervention bei Cinderella e.V." / Jan. 2015, wieder)

Hanna Wendler & Sabine Sperl

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Info zum "Bulimie-Programm"


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